Hochbegabung nachgefragt

Warum haben viele hochbegabte Kinder Probleme in Kindergarten und Schule?

Hochbegabte Kinder lernen außergewöhnlich schnell und brauchen kaum Wiederholungsphasen. Intellektuell sind sie ihren Altersgenossen weit voraus. Schulanfänger können häufig bereits lesen und schreiben oder beherrschen den Zahlenraum bis 20, manchmal darüber hinaus.

In Kindergarten und Grundschule ist es hochbegabten Kindern deshalb oft langweilig, sie sind zu wenig gefordert. Gleichzeitig kommen viele mit Gleichaltrigen nur schwer zurecht, da die Interessen, aber auch Sprache und Ausdrucksweise zu verschieden sind. Sie fühlen deutlich, „anders“ zu sein. Besondere Sensibilitäten, z.B. hinsichtlich Lärm, und ein früh ausgeprägter Perfektionismus können das Leben zusätzlich komplizieren.

 Könnten nicht die Schulen für die Kinder etwas tun?

Viele Lehrer engagieren sich sehr für ihre Kinder und bemühen sich, mit Extraaufgaben oder Projekten auf die individuellen Bedürfnisse hochbegabter Kinder einzugehen. Gleichzeitig müssen sie sich aber um rund 25 andere Kinder mit unterschiedlichstem Wissensstand kümmern. Daher lässt es sich kaum vermeiden, dass hochbegabte Kinder im Unterricht immer wieder Erklärungen hören, die sie längst verstanden haben. Grundsätzlich ist auch die Möglichkeit gegeben, das Kind eine Klassenstufe überspringen zu lassen. Viele Eltern berichten allerdings, dass ihr Kind nach dem Springen auch in der höheren Klasse das Unterrichtstempo als zu langsam empfand, sobald der Stoff nachgeholt war.

 Warum ist Unterforderung auf Dauer schädlich?

Ohne echte Herausforderung bieten selbst gute Noten keine Erfolgserlebnisse. Wenn ein Kind nicht zeigen darf, was es wirklich kann, verliert es das Vertrauen in seine Fähigkeiten. Die natürliche Wissbegierde versiegt, wenn man mit seinen Fragen ständig vertröstet wird. Wer sich nicht anstrengen braucht, kann nicht die Arbeits- und Lerntechniken erwerben, die später benötigt werden. Die unbefriedigende Situation belastet nicht nur die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung. Traurigkeit, Aggressivität, Schulunlust oder psychosomatische Symptome beeinträchtigen das ganze Familienleben.  

 Gibt es nicht schon genügend Freizeitangebote für Kinder?

Tatsächlich sind die Angebote für Kinder beinahe unüberschaubar und trotzdem war es bisher schwierig, für hochbegabte Kinder das Richtige zu finden. Zum einen liegt das daran, dass hochbegabte Kinder oft Themen interessant finden, die erst für ältere Kinder angeboten werden. Außerdem reicht ihnen oft das Lerntempo nicht oder die Vermittlung ist ihnen “zu kindlich”.

 Warum richtet sich das Angebot an begabte und hochbegabte Kinder?

 

Hochbegabung beginnt nicht schlagartig ab einem IQ Wert von 130, auch wenn Wissenschaft und Literatur zu Definitionszwecken diese Grenze gezogen haben. Wir sind nicht der Meinung, dass ein Kind mit einem IQ knapp darunter keine Förderung verdient.

Müssen wir die Begabung unseres Kindes mit einem Test nachweisen?

Nein, da eine Testung mit erheblichen Kosten verbunden ist und der Besuch der Kurse nicht von einem bestimmten IQ abhängt. Sie sollten allerdings Ihr Kind realistisch einschätzen und es nur dann anmelden, wenn es außergewöhnlich wissbegierig ist, ein hohes Lerntempo zeigt und durch den Schulalltag nicht ausgelastet ist.

 Für welche Altersgruppe werden Kurse angeboten?

Wir bieten Kurse für Kinder ab dem letzten Kindergartenjahr bis ca. 12 Jahren an. Der Schwerpunkt liegt auf Kursen für Grundschüler/innen (ca. 6 – 10 Jahre), da während der Grundschule erfahrungsgemäß der Bedarf an zusätzlicher Förderung besonders groß ist.

 Wann finden Kurse statt?

Die meisten Kurse finden am Wochenende statt. Die Kurse laufen maximal ein halbes Jahr. Sie müssen also keine langfristigen Verträge abschließen! Zusätzlich werden in den Schulferien Blockkurse und Projekttage veranstaltet, die in der Regel maximal eine Woche dauern.

 Wie wird in den Kursen gearbeitet?

Hochbegabte Kinder brauchen ständig geistigen Input – aber mehr als intellektuellen Wissenszuwachs: Spannung, Abenteuer und Herausforderung für die gesamte kindliche Persönlichkeit. Bei uns im Angebot: Geschichtliche Themen, Astronomie, Technik oder Naturwissenschaften.Mit allen Sinnen befassen sich die Kinder mit dem gewählten Interessengebiet. Es wird gebaut und experimentiert, geforscht, gefragt oder auch gekocht. Dabei trainieren die Kinder Teamarbeit und soziales Miteinander und verbessern ihre motorischen Fähigkeiten. Weitere Kurse orientieren sich an speziellen Begabungen und Neigungen der Kinder: Computerkurse, Kreativkurse, Philosophie oder kreatives Schreiben. Ergänzend bieten wir erlebnispädagogische Wald- und Höhlenabenteuer an: die Erfahrung was ich alles kann und mich traue, stärkt das Selbstvertrauen der Kinder.

 Wie sind die Kursleiter qualifiziert?

Wir verlangen von unseren Kursleiterinnen und Kursleitern pädagogische Erfahrung und eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Bedürfnisse hochbegabter Kinder. Viele KursleiterInnen haben bereits praktische Erfahrungen mit hochbegabten Kindern gesammelt, z.B. durch die Arbeit in der Hans-Georg-Karg Kindertagesstätte oder durch die eigenen Kinder. 

Wie profitieren die Kinder von den Kursen?

  • Gruppenerfahrung mit anderen Hochbegabten (manchmal zum ersten Mal das Erlebnis „es gibt noch andere, die so sind wie ich“)
  • Hinterfragen, Diskutieren, Wissbegierde (in Schule und Kindergarten oft lästig) sind hier immer willkommen.
  • Interessen können vertieft werden – mit allen Sinnen!
  • Leistung darf gezeigt werden.
  • Gleichgesinnte finden sich, oft für dauerhafte Freundschaften.
  • Förderung der gesamten Persönlichkeit, nicht nur des Intellekts.

Am Ende des Kurses erhalten die Kinder ein „greifbares Erfolgserlebnis“, z.B. in Form eines selbstgestalteten Produkts, einer Ausstellung oder Aufführung.