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09.10.2008 - Nürnberg

Das Chancen-Center an der Rollnerstraße

Das Chancen-Center an der Rollnerstraße

Neue Perspektive für Arbeitslosechancencenter an der Rollnerstraße

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Berufsbilder wandeln sich, neue Arbeitszeitmodelle sind gefragt. Eine Anstellung auf Lebenszeit ist zur Ausnahme geworden. Die NZ beleuchtet in ihrer Serie „Gesichter der Arbeit“ Facetten des Themas. Heute: Ein neues Chancen-Center in der Rollnerstraße 111 soll arbeitslosen Menschen eine Perspektive auf den Wiedereinstieg oder überhaupt erst den Start ins Berufsleben
ermöglichen.
Die Firma „Koch Invest“ erwarb das Areal, auf dem sich früher die Unternehmenszentrale der Firma Zander befunden hat, im Jahr 2007. Die beiden Mieter, die sich Firmenchef Volker Koch und Projektleiter Thomas Becker aussuchten, wollen Menschen für den Arbeitsmarkt qualifizieren, ihnen eine neue Chance geben.
Dabei kommen sich das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) und das Unternehmen „Logistic Trainings“ nicht in die Quere, denn sie sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.
„Logistic Trainings“, vormals bekannt unter dem Namen IBS, kümmert sich hauptsächlich um Erwachsene zwischen 22 und 60 Jahren, die im Bereich Logistik weitergebildet werden. „Wir bieten die vier Säulen Transport, Handel, Spedition und Lager an“, sagt Geschäftsführer Richard Helmstreit. Das CJD bildet
vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren in handwerklichen Berufen aus.
Das CJD hilft aber auch Erwachsenen, die arbeitslos geworden sind und etwa erst wieder lernen müssen, wie eine Bewerbung zu schreiben ist. „Wir zeigen ihnen, wie man einen Lebenslauf schreibt oder wie Vorstellungsgespräche funktionieren“, sagt Andreas Lingk, kaufmännischer Leiter des Nürnberger CJD.
Auch EDV-Grundkenntnisse werden vermittelt. Analphabeten lernen Lesen und Schreiben, Bürger mit Migrationshintergrund erhalten Deutschunterricht. Durch „Logistic Trainings“ bekommen die Schulungsteilnehmer wiederum zum Beispiel vermittelt, wie man einen Laster belädt und Warentransporte
durchführt. Begleitet von Mitarbeitern des Unternehmens sind die Arbeitsuchenden mit den Transportern auch grenzüberschreitend unterwegs. „Die Ware besteht allerdings aus mit Beton ausgegossenen Gitterboxen“, erklärt Helmstreit. Die Transporte dienen nur der Übung, ein echter Handel findet nicht statt.
Während das CJD als gemeinnütziger Verein keinen Gewinn machen darf, ist „Logistic Trainings“ von schwarzen Zahlen abhängig. Beide Institutionen haben in der Bundesagentur für Arbeit ihren wichtigsten Auftraggeber, „Logistic Trainings“ bekommt viele Lehrgangsteilnehmer zudem von anderen Firmen
geschickt. Das Konzept von „Logistic Trainings“ setzt darauf, die Menschen über Rollenspiele an künftige Aufgaben heranzuführen. Im Chancen-Center haben Helmstreit und seine Mitarbeiter daher auch einen Supermarkt installiert, in dem die Vorgänge von der Warenanlieferung über die Regalbefüllung bis hin zum
Verkauf nachgespielt und damit einstudiert werden.
Jeweils montags werden die Waren jedoch wirklich „verkauft“: Die „Nürnberger Tafel“ ist beim Chancen-Center auch an Bord und eröffnet dort eine Ausgabestelle, in der gespendete Lebensmittel zu einem symbolischen Preis von zwei bzw. drei Euro an Bedürftige ausgegeben werden.
Sechste Ausgabestelle der „Nürnberger Tafel“
Hierfür wird der Übungs-Supermarkt von „Logistic Trainings“ genutzt. Die Auszubildenden können dadurch in
der Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Kräften des „Tafel“-Teams die Verkäufsabläufe anhand der Ausgabe an die Bedürftigen üben. „Ich glaube, eine solche Zusammenarbeit zwischen der Tafel und einer Weiterbildungseinrichtung gibt es bisher nicht“, sagt der „Tafel“-Vorsitzende Albert Ziegler. Die Ausgabe wird ab dem kommenden Montag erfolgen, 94 Familien haben sich bereits angemeldet.
Der Standort in der Rollnerstraße ist die sechste Ausgabestelle der „Tafel“, die insgesamt 3000 Familien versorgt, und soll insbesondere für die Bedürftigen der Stadtteile Buch, Thon und Kleinreuth eine Anlaufstelle sein. Falls die Ausgabe in der Fichtestraße geschlossen werden muss (wir berichteten), könnte – so Zieglers Überlegung – auch ein Teil der dortigen Kunden in die Rollnerstraße gehen.
Auch „Logistic Trainings“ und CJD, beide bisher schon in Nürnberg beheimatet, bauen durch den Umzug ihre Kapazitäten aus, können noch mehr Menschen weiterhelfen. Doch die Möglichkeiten auf dem Areal sind noch nicht ausgeschöpft. Bis zu 5000 Quadratmeter, so Projektleiter Becker, stehen für Neubauten noch zurVerfügung.
 
Marco Puschner


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