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18.03.2009 - Nürnberg

Arbeitsagentur entsendet «Berufseinstiegsbegleiter» an vier Schulen in der Region

 

Statt Managern werden Hauptschüler «gecoached»

Drei Sozialpädagogen sollen insgesamt 40 Jugendliche mit schlechten Aussichten auf Schulabschluss oder Lehrstelle «an die Hand nehmen»
TREUCHTLINGEN (psh) – «Coaching» ist in der Wirtschaft ein oft gebrauchter Begriff für die Betreuung von Führungskräften. «Warum also sollte es nicht auch ein Coaching für Schüler geben?», fragt die Leiterin der Weißenburger Agentur für Arbeit, Gisela Scherer – insbesondere für Haupt- und Förderschüler, die keine Lehrstelle finden oder Gefahr laufen, ihren Abschluss nicht zu schaffen. An der Treuchtlinger Senefelder-Schule und drei weiteren Schulen im Bereich der Weißenburger Agentur gibt es künftig solche «Coaches»: sogenannte Berufseinstiegsbegleiter, die in jedem Haus zehn Jugendlichen beim Start ins Berufsleben unter die Arme greifen.

Seit dem 1. Februar setzen die Arbeitsagenturen in ganz Deutschland insgesamt rund 1.000 solche Begleiter an Haupt- und Förderschulen ein. Für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hat die hiesige Agentur zwei Vollzeitstellen geschaffen und dafür 300.000 Euro bereitgestellt. Das Pilotprojekt läuft über drei Jahre, während derer stets je zehn Schüler der Treuchtlinger Senefelder-Schule, der Hauptschulen in Weißenburg und Allersberg sowie des Förderzentrums Weißenburg-Gunzenhausen bei der Berufsfindung begleitet werden.

Ziel ist es, «präventiv vor der Entlassung mit sozialpädagogischer Unterstützung an den Schulen einzugreifen», erläuterte Agenturchefin Gisela Scherer gestern bei der Vorstellung des Projekts in Treuchtlingen. «Am Ende soll eine Lehrstelle stehen.»

Das «Klientel» der Berufseinstiegsbegleiter sind leistungsschwache Jugendliche in den Abschluss- oder Vorabschlussklassen sowie Schüler, bei denen Migrationshintergrund oder persönliche Defizite den erfolgreichen Einstieg in den Beruf gefährden. Ihnen sollen die Sozialpädagogen bei der Suche nach Praktika helfen, die berufliche Orientierung erleichtern und Ratschläge bei der Bewerbung geben. Konkrete Nachhilfe ist ebenfalls möglich, soll aber laut Scherer der Ausnahmefall bleiben: «Das ist Sache der Schulen.»

An der Senefelder-Schule hatte Berufsberater Wilfried Hartl den Vorschlag zur Teilnahme an dem Pilotprojekt eingebracht, das Schulleiter Dr. Johannes Novotny zufolge «gerade gut passt, weil wir die Übergangsproblematik Schule-Beruf auch bereits im Hauptschulprojekt mit der Hermann-Gutmann-Stiftung aufgegriffen haben». Es sei «schwierig, nach dem Abschluss noch an den Schülern dranzubleiben».

Lehrer sind «oft überfordert»

Das bestätigt auch Hauptschul-Rektor Helmut Spitzbart: «Es ist schade, dass wir meist keine Möglichkeit mehr haben, Schülern beim Eintritt ins Berufsleben zu helfen.» Vor allem wegen der zu großen Klassen seien die Lehrer oft überfordert, sorgten sich aber im Nachhinein häufig, «ob sie genug getan haben». Er begrüße deshalb das neue Projekt als ersten Schritt, eine «Verzahnung zwischen Schule und Berufsfindung herstellen».

Für entscheidend hält es Helmut Spitzbart außerdem, dass «keine Stigmatisierung stattfindet». Das Programm wende sich nicht an «Schulversager», sondern an «Kinder, die es einfach verdienen, dass man sie unterstützt». Davon habe die Schule auch die Eltern überzeugen können, und das Projekt habe sich mittlerweile so positiv herumgesprochen, dass es bereits eine längere Warteliste gebe. Auf ihr rücken Interessenten immer dann nach, wenn einer der zehn Teilnehmer eine Lehrstelle gefunden hat.

Ein Novum im Zuge der Berufseinstiegsbegleitung ist schließlich noch, dass diese nicht mit dem Schulabschluss endet: «Die Berater stehen den Jugendlichen noch während der Ausbildung bis zu zwei Jahre als Ansprechpartner zur Verfügung», erläutert Gisela Scherer. Das Konzept des «Übergangsmanagements» werde in Deutschland gerade erst zunehmend entdeckt. Die Ergebnisse seien aber «unerwartet gut.»

Patrick Shaw
19.2.2009 16:12 MEZ
 




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