Das CJD - Die Chancengeber CJD Nürnberg

Fachkräftemangel und Migration

30.07.2018 CJD Nürnberg « zur Übersicht

Gerade in den Pflegeberufen fehlen in Deutschland Arbeitskräfte. Wie Migranten helfen, diese Lücke zu schließen, zeigt das Beispiel von Mohammad, einem 18-jährigen Auszubildenden aus Afghanistan.

„Ich habe mich für den Pflegeberuf entschieden, weil ich gerne mit Menschen arbeite“, erzählt Mohammad Rashide, der sich problemlos in Deutsch ausdrücken kann. Er will Menschen gerne helfen, denn er weiß, wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein.
Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters floh Mohammads Mutter mit dem Sohn 2015 aus Afghanistan. An der iranischen Grenze wurden beide getrennt. Seither hat Mohammad nichts mehr von seiner Mutter gehört. Alleine gelangte er über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Innerhalb von zwei Jahren schaffte er hier den qualifizierenden Hauptschulabschluss.

Geholfen hat ihm dabei das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands, das im oberpfälzischen Auerbach mit dem Haus Esperanto eine Wohn- und Betreuungseinrichtung für Jugendliche wie Mohammad betreibt. In dieser Wohngruppe für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge lebte er zwei Jahre. „Es war eine ganz besondere Leistung, den qualifizierenden Hauptschulabschluss in nur zwei Jahren zu machen“, betont Johannes Rogner, Heimleiter im Haus Esperanto. „Das gesamte Curriculum der Mittelschule hat das CJD ihm vermittelt. Für Mohammad war es auch wichtig, Ansprechpartner zu haben, um seine Fluchtgeschichte zu verarbeiten.“

Nach dem schulischen Erfolg steht nun die berufliche Integration an: „Die Ausbildung als Pflegehelfer bei der staatlichen Berufsfachschule dauert zwei Jahre“, erzählt Mohammad. „Ich lerne dabei alles über die verschiedenen Krankheiten wie z.B. Demenz oder Schlaganfall, und ich lerne, wie man die Leute pflegt.“ Nach der Ausbildung würde er gerne auf die FOS und dann eventuell studieren. Doch ob es dazu kommt, hängt von dem Aufenthaltsbescheid ab, auf den Mohammad wartet. Der junge Mann ist seit drei Jahren in Deutschland, hat erfolgreich einen Schulabschluss bestanden und macht eine Berufsausbildung in einem Arbeitsbereich, in dem dringend Leute gesucht werden. Dennoch sichert ihm die schulische Ausbildung als Pflegehelfer im Gegensatz zu einer betrieblichen Ausbildung keinen Abschiebeschutz. „Es ist schwer verständlich, warum in Deutschland solche Verfahren derart lange dauern“, so Johannes Rogner. Mohammad hat sich seine Zuversicht dennoch bewahrt: „Ich hoffe, dass es positiv ausgeht.“